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18.11.2016 / Thema / Seite 12

An der Drinabrücke

Der Bosnien-Konflikt geht weiter. Ein Besuch in »Andricgrad«, wo die Erinnerung an eine ferne Zeit jenseits des Hasses geweckt wird

Gerd Schumann

»Unmittelbar am Ende der Stadt mündet der Rzav in die Drina, so dass der Mittelpunkt der Stadt und gleichzeitig ihr Hauptteil auf der sandigen Landzunge zwischen den beiden Flüssen, dem großen und dem kleinen, liegt, die sich hier vereinigen.« Ivo Andric in »Die Brücke über die Drina« über den Ort, wo sich heute »Andricgrad« befindet

Es geschah vor 25 Jahren an der historischen Brücke über die Drina im ostbosnischen Visegrad. Hajdardasica Fadlu hob die Videokamera an sein rechtes Auge und dokumentierte, wie seine Kumpane Samir, Murat, Muberik und Mudarif die Büste des Schriftstellers Ivo Andric mit Vorschlaghämmern zertrümmerten. Der »Serbe«, Literaturnobelpreisträger von 1961, habe »schlecht über Türken und Muslime« geschrieben, erklärte Anführer Murat Sabanovic. Er äußerte, was bis heute im bosnischen Ethnodiskurs wirkt. Interessiert es im irrationalen Widerstreit der Nationalisten überhaupt, dass Andric kroatischer Katholik war, 1892 geboren im bosn...

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