08.09.2016 / Thema / Seite 12

Furchtbare Mediziner

Keine andere Berufsgruppe war der Naziideologie so verbunden wie die Ärzte – eine Spurensuche

Ulrike Henning

»Man kann heute sagen, dass bei keinem anderen akademischen Beruf die nationalsozialistische Propaganda solche Erfolge erzielt hat wie gerade bei den Ärzten.« Dies schrieb im November 1932 der Berliner Arzt und sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Julius Moses, der 1942 im KZ Theresienstadt ermordet wurde. Seine Kollegen folgten aber nicht nur der Ideologie, viele von ihnen wurden zu Mittätern – bei Zwangssterilisierungen, »NS-Euthanasie« und Menschenversuchen in Konzentrationslagern und Heilstätten. Sie haben damit den hippokratischen Eid gebrochen, der sie verpflichtet, Kranke zu heilen und Patienten nicht zu schaden.

Nicht nur Feigheit und Opportunismus trieben die Ärzte an, sondern auch Überzeugungen, die sie schon vor 1933 ausgebildet hatten. 45 Prozent der Mediziner gehörten am Ende der Naziherrschaft der NSDAP an. Unter den Lehrern, die viel stärker unter einem Bekenntniszwang standen, waren es »nur« 23 Prozent. Jeder vierte männliche Arzt ...

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