20.08.2016 / Thema / Seite 12

Zweierlei Blindheit

Unterschiede der geschichtswissenschaftlichen Debatte über das Verhalten der deutschen Bevölkerung zwischen 1933 und 1945. Über die Rolle der Volksmassen im Faschismus (Teil 1)

Kurt Pätzold

»Die schwere Geburt – zunächst zur Kritik. Gruß Kurt.« So hatte der Historiker Kurt Pätzold seine Mail vom 1. Juli überschrieben, an die er das »Kind« gehängt hatte. Der Text war in mehrfacher Hinsicht eine »schwere Geburt« gewesen. Seit Jahren schon beschäftigte ihn das Thema, er wollte die Rolle der Volksmassen in der Geschichte und ihr Verhältnis zu ihren Führungen untersuchen. Dabei hatte er das ganze 20. Jahrhundert vor Augen und war als Marxist zu Fragen gekommen, die bestimmte Positionen in Zweifel ziehen. Seine Überlegungen lehnen sich an Goethe und den eigenen Vater an. Der Dichterfürst hatte 1788 in seinem Trauerspiel »Egmont« befunden: »Glaube nur, ein Volk wird nicht alt, nicht klug; ein Volk bleibt immer kindisch.« Und Max Pätzold, ein gestandener Sozialdemokrat und einfacher Arbeiter, befand am 15. März 1946 in einem Brief an seinen Sohn: »Die Masse ist urteilslos, man und jeder kann sie auf das Gleis schieben, wo er sie gerade hinhaben wil...

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