06.05.2016 / Feuilleton / Seite 11

»Der Exorzist hat Selbstzweifel«

Als Kopieren selbstverständlich war: Über Hollywood-Adaptionen in der Geschichte des türkischen Kinos. Ein Gespräch mit Cem Kaya

Sabine Matthes

Was ist Ihr liebstes Remake unter all den türkischen Tarzans, Lassies, Supermen, Exorzisten, E. T.s, Hamlets und Rambos?

Der US-Western-Klassiker »3:10 to Yuma« (»Zähl bis drei und bete«) von 1957 wurde in Hollywood 2007 mit Russell Crowe und Christian Bale neu verfilmt, und es gibt mittlerweile auch eine TV-Serie. In der Türkei wurde er 1988 unter dem Namen »Muhtesem Serseri« (Ein großartiger Nichtsnutz) von Akut Düz adaptiert. Diese Version ist kein Western, sondern spielt in der Gegenwart. Cüneyt Arkin ist ein alternder Boxer, der einen Verbrecher überführen muss. Mir gefallen hier der an Filme von Bud Spencer und Terence Hill angelehnte Witz und die dokumentarisch anmutende Inszenierung des Istanbuler Rotlichtmilieus. Eine leichtfüßige Komödie mit absurden Elementen, die alles daran setzt, die Originalvorlage zu ignorieren.

Wieso war der Hollywood-Einfluss über Jahrzehnte so dominant? Warum wurden US-Helden kopiert, statt eigene Geschichten zu erfinden...

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