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10.02.2016 / Feuilleton / Seite 14

Rotlicht: Arbeiteraristokratie

Sebastian Carlens

Gibt es adlige Arbeiter? Nach dem Ende des Feudalismus mag es passiert sein, dass Blaublütige sich in der Lohnarbeit verdingen mussten. Und im Kaiserreich wurden manchmal Gewöhnliche, die es zu etwas gebracht hatten, in den Geldadel erhoben. Doch der Begriff Arbeiteraristokratie bezeichnet eine besondere, am sozial oberen Rand der Arbeiterklasse angesiedelte Schicht. Er ist eher analytisches Kriterium als Beschimpfung.

Karl Marx nannte bereits im »Kapital« den »bestbezahlten Teil der Arbeiterklasse« »ihre Aristokratie«. Auch Friedrich Engels fiel das Phänomen einer Art Oberschicht innerhalb des Proletariats auf. Im englischen Vorwort zur »Lage der arbeitenden Klasse in England« schildert er Bedingungen in bestimmten Berufszweigen, die den Arbeitern dank Expertenwissen und großindustrieller Produktionsweise Verhandlungsmacht verliehen. Sie »haben es fertiggebracht, sich eine verhältnismäßig komfortable Lage zu erzwingen, und diese Lage akzeptieren sie a...

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