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31.12.2015 / Inland / Seite 4

Zschäpe und der tiefe Staat

Jahresrückblick. Heute: NSU-Prozess. Späte Aussagen bringen kein Licht ins Dunkel, aber Bewegung in das Verfahren. Für den Geheimdienst ist es vor allem peinlich

Claudia Wangerin

Die späte Erklärung der Hauptangeklagten Beate Zschäpe im Münchner NSU-Prozess ist von verschiedenen Medien als »erbärmlich«, »jämmerlich« oder als »Märchenstunde« bezeichnet worden. Dabei lag sie in Sachen Glaubwürdigkeit absolut im Durchschnitt der Zeugenaussagen diverser Neonazis, V-Leute und Geheimdienstmitarbeiter in dem seit Mai 2013 laufenden Verfahren um die Mord- und Anschlagsserie, die seit November 2011 dem »Nationalsozialistischen Untergrund« zugeordnet wird.

Was Zschäpes eigene Rolle betrifft, unterscheiden sich ihre Version und die Anklageschrift mehr als im unglaubwürdigen Gesamtkonstrukt einer terroristischen Vereinigung mit nur drei Mitgliedern. Anders als vier Mitangeklagte, die nur als Helfer gelten, ist Zschäpe der Mittäterschaft bei zehn Morden, zwei Sprengstoffanschlägen und mehreren Raubüberfällen angeklagt – die Bundesanwaltschaft wirft ihr vor, die Verbrechen gleichberechtigt mit zwei Komplizen geplant zu haben. Sie selbst will kna...

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