Gegründet 1947 Freitag, 22. März 2019, Nr. 69
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14.11.2015 / Wochenendbeilage / Seite 1 (Beilage)

»Es ist alles schlimmer geworden«

Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Colin Crouch. Über die fortgesetzte Erosion der Demokratie, simulierte Bürgerbeteiligung und die Notwendigkeit eines öffentlich-rechtlichen Internets

Thomas Wagner

Wenn heute von der schlechten Verfassung liberaler Demokratien die Rede ist, fällt immer wieder ein Schlagwort: Postdemokratie. Sie haben den Begriff vor mehr als einem Jahrzehnt geprägt. Was verstehen Sie darunter?

Wir haben freie Wahlen, Diskussionen und alle Institutionen, die zu einer liberalen Demokratie gehören. Aber in den Ländern, in denen sie am weitesten fortgeschritten ist, in Westeuropa und den USA, scheint sie müde geworden zu sein. Die sozialen Schichten, die aus der postindustriellen Gesellschaft hervorgegangen sind, haben eine sehr schwache politische Identität. Die Demokratie ist aus furchtbaren Konflikten der Vergangenheit hervorgegangen: sozialen, politischen, religiösen. Die einfachen Menschen wurden dadurch politisiert.

Sie haben sich in Parteien und Gewerkschaften organisiert.

Und in Kirchen. Heute ist es für die Menschen, die in den neuen Sektoren der Wirtschaft arbeiten, nicht leicht, eine politische Identität auszubilde...

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