07.11.2015 / Thema / Seite 12

»Hier kann keiner mehr unterkommen«

Elfriede Brünings Reportagen über den Umgang mit Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg offenbaren hässliche Ähnlichkeiten zur heutigen »Willkommenskultur«. Am 8. November wäre die Schriftstellerin 105 Jahre alt geworden

Sabine Kebir

Oft hört man, dass die Ablehnung von Flüchtlingen auf der Sorge vor »kultureller Überfremdung« beruht. Dass dies nur ein Aspekt ist und soziale Konkurrenzängste womöglich schwerer wiegen, wird aus Reportagen Elfriede Brünings deutlich, die sie zwischen 1947 und 1949 in der von der sowjetischen Besatzungsmacht lizensierten und von der Zentralverwaltung für Umsiedler herausgegebenen Zeitschrift Die neue Heimat publizierte. Obwohl die seit 1944 aus den damaligen Ostgebieten des Deutschen Reichs fliehenden Deutschen keine fremde Kultur mitbrachten, konnten sie weder auf uneingeschränkte Hilfe der Landsleute noch der Behörden zählen.

Zunächst leitete Michael Tschesno-Hell, damals unter anderem Vizepräsident der Zentralverwaltung für Umsiedler, die Monatszeitschrift. In der ersten Nummer vom Mai 1947 schrieb er im Geleitwort: Die neue Heimat solle »Sprachrohr aller jener sein, die als Neubürger in Deutschland ein neues Leben beginnen« und »eine Waffe gegen bürok...

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