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01.10.2015 / Feuilleton / Seite 10

Die Qual des Nichtbegreifenkönnens

Die Aufsätze und Reden des NS-Überlebenden Argyris Sfountouris beleuchten ein verdrängtes Kapitel der deutsch-griechischen Beziehungen

Elisabeth Abendroth

Das Kalkül von Schäuble, Merkel & Co ist erst einmal nicht aufgegangen. Syriza hat die Wahlen am 20. September 2015 klar gewonnen. Aber »Griechenlands Vernichtung hat bereits begonnen. Nicht durch Bombardements und Massentötungen, sondern durch Methoden, die ökonomisches Ersticken bewirken«, konstatierte Mikis Theodorakis am Wahlsonntag im Interview mit dem Tagesspiegel. Die Zeit indes, in der deutsche Regierungen sich nicht mit ökonomischem Terrorismus begnügten, ist vielen Griechen noch in sehr lebendiger Erinnerung.
Am 10. Juni 1944 war Argyris Sfountouris – bekannt durch die am 31. März 2015 im ZDF ausgestrahlten Satiresendung »Die Anstalt« und den international ausgezeichneten Film »Ein Lied für Argyris« von Stefan Haupt (2006) – nicht einmal vier Jahre alt. An diesem Tag überfielen deutsche Soldaten sein Dorf Distomo, am Fuß des Parnass-Gebirges. Bestialisch ermordeten sie 218 Dorfbewohner, unter ihnen Mutter und Vater des kleinen Argyris und fast d...

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