30.09.2015 / Feuilleton / Seite 14

Rotlicht: Normandie-Format

Reinhard Lauterbach

Sprachwissenschaftler können dem Jargon der Diplomatie schöne Beispiele dafür entnehmen, dass das Wort und die Sache nur per Konvention miteinander verbunden sind. Was hat etwa die »Lissabon-Strategie« der EU, mit der der Staatenbund dereinst die wettbewerbsfähigste Region der Welt werden wollte, mit der einen vergleichsweise gemächlichen Lebensstil pflegenden portugiesischen Hauptstadt zu tun? Nicht mehr, als dass das entsprechende geduldige Papier irgendwann einmal dort verabschiedet worden ist. Genauso die »Dublin-Regelung« zur Aufnahme oder Nichtaufnahme von Flüchtlingen. Die Bezeichnung ist eigentlich kontrafaktisch, denn Irland liegt so, dass Flüchtlinge solide seetüchtige Schiffe bräuchten, um es zu erreichen. Vielmehr wurde diese Regelung bei Gelegenheit eines in Irland stattfindenden EU-Gipfels beschlossen. Wer sich um einen Job bei der EU bewirbt, muss unter anderem ein Quiz bestehen, bei dem ein paar Dutzend solcher Kürzel richtig zuzuordnen...

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