17.08.2015 / Feuilleton / Seite 11

Lenin, mit oder ohne Hörner

Eine Hamburger »Tattoo«-Ausstellung beschäftigt sich auch mit den Motiven sowjetischer Strafgefangener

Sabine Matthes

Tätowierte gehörten zu den Lieblingsmotiven der amerikanischen Fotografin Diane Arbus. »Das geheime Ritual faszinierte sie, da es eine Mischung aus traditioneller Kunst, physischem Schmerz und Sinnlichkeit war«, schrieb ihre Biographin Patricia Bosworth. Genau diese voyeuristische Faszination erfasst einen in der Hamburger »Tattoo«-Ausstellung. Es ist ein großartiges Panoptikum, in dem mehr als 250 Arbeiten – dokumentarische und künstlerische Fotos, Farbholzschnitte, Skulpturen, Videoarbeiten, historische Hautpräparate und Tätowiergeräte – die schillernde Ambivalenz von Tattoos in verschiedenen Kulturen, Epochen und sozialen Schichten zeigen.

Als der Entdecker James Cook 1774 von einer Reise in die Südsee zurückkam, brachte er nicht nur einen tätowierten Einheimischen namens Omai mit nach London, um ihn öffentlich zur Schau zu stellen. Er führte auch ein Wort ein, das dessen seltsame Hautzeichnungen benannte: »Tatau«, aus den polynesischen Wörtern ...

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