05.08.2015 / Inland / Seite 2

»Duisburg ist zur Skandalkommune geworden«

Mangelnde Gesundheitsversorgung, Ausgrenzung und Stimmungsmache gegen Flüchtlinge: Bürger fordern Umdenken. Gespräch mit Sylvia Brennemann

Markus Bernhardt

Sie wohnen und arbeiten im Duisburger Stadtteil Marxloh. Wie lebt es sich in einer »No-go-Area« für Polizeibeamte und die deutsche Mittelschicht?

Ich lebe hier sehr gut. Aber Sie spielen wahrscheinlich auf die wiederaufflammenden Medienkampagnen gegen Marxloh an. Aktuell wird unserem Stadtteil ja erneut angedichtet, ein Hort von Kriminellen und Asozialen zu sein. Eingestimmt in diese Phantastereien sind wie üblich Polizei und Politik. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Es gibt kein Problem mit flächendeckender Kriminalität, sondern mit zunehmender Armut, mangelnden Bildungschancen, Arbeitslosigkeit und fehlender Krankenversicherung.

Vor einigen Wochen hieß es, in Duisburg lebten etwa 10.000 Menschen ohne Krankenversicherung. Aufgrund der anhaltenden Medienberichterstattung hatte die etablierte Politik zugesagt, schnell für Abhilfe zu sorgen. Was ist seitdem passiert?

Nicht viel. Außer warmen Worten hat sich im Grundsatz nicht wirklich etwas...

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