20.06.2015 / Wochenendbeilage / Seite 1 (Beilage)

»Die Verletzung der libyschen Souveränität ist eingeplant«

Gespräch mit Julian Assange. Über das staatliche Überwachungssystem in den USA und jüngste Wikileaks-Enthüllungen über Pläne der EU, den Flüchtlingsstrom aus Nordafrika militärisch einzudämmen

Jürgen Heiser

Wir sind hier in der Botschaft von Ecuador in London, in der sich Julian Assange seit drei Jahren aufhält. Am 19. Juni 2012 hat ihm die Regierung Ecuadors in ihrer Vertretung politisches Asyl gewährt. Julian, wie geht es Ihnen kurz vor Ende Ihres dritten Jahres hier in der Botschaft?

Angesichts der Situation geht es mir nicht schlecht. Und das liegt meiner Meinung nach daran, dass ich über die persönlichen Umstände hinaus etwas Bedeutendes zu tun habe, auf das ich mich konzentrieren kann. Das ist sicher bei allen, die eingesperrt sind, ähnlich. Ich bin jetzt seit fast fünf Jahren auf die eine oder andere Art hier in Haft, ohne Anklage. Ich lebe ja nicht hier im Vereinigten Königreich, ich bin Australier. Für meine Familie ist das eine sehr schwierige Situation. Für mich hingegen sind die Arbeit für Wikileaks und die verschiedenen defensiven und offensiven Fälle, an denen wir arbeiten, gut dazu geeignet, dass ich mich gedanklich über die Situation h...

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