23.04.2015 / Feuilleton / Seite 11

Der feste Punkt

Deutungsoffen: Die Gemeinde Tröbitz begeht den 70. Jahrestag der Befreiung des »Verlorenen Transports« durch die Rote Armee

Su Tiqqun

Am 23. April 1945 erreichte ein mit weißen Tüchern verhangener Zug die Gemarkungsgrenze von Tröbitz in der Niederlausitz – 45 Güterloren mit knapp 2.400 jüdischen Häftlingen. Es waren völlig entkräftete Geiseln, die die Nazis in möglichen Verhandlungen mit den westlichen Alliierten als Faustpfand benutzen wollten. Als letzter von drei Zügen hatte dieser das KZ Bergen-Belsen in Richtung Theresienstadt verlassen. Etwa 6.700 Häftlinge hatte die SS Anfang April 1945 zur Rampe getrieben: »Sie gehen in Fünferreihen, meist Arm in Arm. Wenn sie einander loslassen, fallen sie um. Vorneweg marschieren die Stärksten, dann kommen die Schwächeren, dann die Noch-Schwächeren, dann die Noch-viel-Schwächeren, und am Ende irren jene herum, die nicht mehr weiter können. Auf der Suche nach einem Körnchen gräbt hie und da einer mit seinen knochigen Fingern zwischen den Steinen. Und wenn diese vorüber sind, kommen die Leichen. Die liegen natürlich auf dem Weg. Und nach d...

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