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31.03.2015 / Thema / Seite 12

Formierte Gesellschaft

Vor 50 Jahren wollte Ludwig Erhard die Deutschen (in der BRD) erneut zu »großer Willenseinheit« zusammenschließen. Nutznießer war die wiedererstarkte westdeutsche Industrie

Daniel Bratanovic

Am 31. März 1965 schaffte Ludwig Erhard die Klassengesellschaft ab – und schuf etwas Neues. Doch kaum einer nahm Notiz von diesem unerhörten Vorgang. Und die, die es taten, mochten der Sache keine besondere Bedeutung abgewinnen. Dabei waren die Sätze, die der Kanzler in der Düsseldorfer Messehalle sprach, unmissverständlich, überdeutlich. Es war das revolutionäre Verdienst seiner CDU, das Erhard auf deren 13. Parteitag beschwor: »Als nach dem Zusammenbruch Deutschlands die Union gegründet wurde, sahen wir (...) die Hauptaufgabe der Partei darin, den unseligen Klassengegensatz zu überwinden. Diese Aufgabe haben wir gelöst.« Für diese titanenhafte Leistung spendeten die Delegierten sich und ihrem »Volkskanzler« Applaus. Das Protokoll notiert an dieser Stelle »Beifall«.

Aber was war das Neue, das Schöpferische? »Die deutsche Gesellschaft von heute ist keine Klassengesellschaft mehr. (...) Diese Gesellschaft von heute ist keine Gesellschaft von kämpfend...

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