30.03.2015 / Feuilleton / Seite 11

Durch den Schachtsucher

Die meisterhaften Fotografien des Kindermädchens Vivian Maier (1926–2009) im Berliner Willy-Brandt-Haus

Matthias Reichelt

Das Gesicht eines schlummernden Zeitungsverkäufers in seinem Kiosk, umgeben von marktschreierischen Illustrierten. Auf Augenhöhe ein kleines Mädchen mit verschränkten Armen, viel zu großer Herrenuhr und düsterem Blick. Es sind solche skurrilen, humorvollen, rätselhaften Augenblicke in Chicago und New York, die Vivian Maier (1926–2009) vor allem in den 50er und 60er Jahren festgehalten hat. Immer wieder liegt der Fokus auf Kindern. Kein Wunder, Maier arbeitete – wie ihre Mutter und ihre Großmutter – als Kindermädchen betuchter Familien. Wenn sie in Chicago das Haus verließ, nahm sie häufig ihre zweiäugige Rolleiflex mit. Diese Kamera mit dem von oben einsehbaren Schachtsucher erlaubte ihr, unbemerkt Aufnahmen zu machen, die ihre Empathie für Menschen aus harten sozialen Verhältnissen spürbar werden lassen.

Nachdem fünf Bücher mit Fotografien von Maier veröffentlicht wurden und diverse Ausstellungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten durc...

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