12.03.2015 / Feuilleton / Seite 11

Geh in die Höfe

Kunst aus den Gegenden, die man Städte nennt: Eine Erinnerung an den Maler Herbert Weitemeier aus Berlin-Kreuzberg

Anja Röhl

Die Ansicht einer Kreuzberger Häuserfront. Ineinander verschachtelte Altbauten. Die Häuser wirken gekrümmt. Sie schlängeln sich, scheinen wie Erdschichten ineinander geschoben. Als breche sie jemand auf und lege ihr Inneres frei. Dazwischen Menschen, winzig klein. Sie schwanken einzeln, zwischen den Schächten, tanzen, fliehen und stürzen herab. Sie sind Gespenster, die sich mit Vögeln vermischen, auffliegen und in Richtung Himmel größer werden.

Schaut man genauer hin, sind die Häuser Gesichtern ähnlich. Dunkle Löcher die Fenster, grau verwischt die Fassaden. Alles ist schwarz, braun, dreckig, halb kaputt. Plakatfetzen hängen an der Wand, sie spenden hellere Farben. Im Hintergrund thront ein Bunker wie eine Burg. Darauf steht mit roter Schrift geschrieben: »Wer Bunker baut, wirft auch Bomben!« Eine Abwandlung von: »Wer Bücher verbrennt, verbrennt am Ende auch Menschen«. Beides steckt in dem Bild: Krieg, Zerstörung, Wiederaufrüstung, neue Zerstörung. Das Bi...

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