14.01.2015 / Feuilleton / Seite 10

Geier über Charlie Hebdo

Die Attentäter von Paris sind das Produkt westlicher Politik

Ruben Wickenhäuser

Als ich von dem Massaker in der Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo erfahren habe, war ich nicht entsetzt. Ich war voller Wut. Im ersten Moment hätte ich ein Gewehr nehmen können, um mich in den Kampf gegen jene zu werfen, die wieder einmal das gemeinschaftliche Phantasma einer Religion dazu nutzten, der grenzenlosen menschlichen Selbstgerechtigkeit freien Lauf zu lassen. Meine Kollegen, mir unbekannt und doch so nah in ihrem Wirken, waren gemäß den Nachrichten das Opfer eines ätherischen Mordauftrags geworden.

Aber meine Waffe ist nicht das Gewehr. Es ist die Feder. Zumal Kugeln doch nur ein Symptom hätten treffen können. Sie hätten jene billige Rache gebracht, die seit Menschengedenken wohlfeil ist und die so oft nur den Blick für die Gründe hinter einem roten Schleier verhüllt. Deswegen ist die Feder wichtiger als das Schwert.

Religion ist Opium des Volks? Im Angesicht der Taten von als »islamische Extremisten« etikettierten Menschen scheint es ...

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