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04.07.2014 / Feuilleton / Seite 12

Blumsday

Die nächsten Tage im Radio

Rafik Will
Vom Mittelalter bis zur Entdeckung von Antibiotika bekämpfte man die Syphilis, die in erster Linie durch Geschlechtsverkehr übertragen wird, vor allem mit Sexualmoral. Lange war die Infektionskrankheit als »Lustseuche« bekannt. So wurde sie auf körperliches Begehren und wechselnde Sexualpartner zurückgeführt. Besonders gut ließ sich das in die katholische Heilslehre integrieren, die den Menschen ja bis heute als sündiges Wesen betrachtet.

1894 richtete Oskar Panizza in seinem Drama »Das Liebeskonzil« diese Sexualmoral gegen die katholische Kirche selbst. Ein völlig impotenter Gott bittet im Jahre 1495 den Teufel, dem moralischen Verfall auf der Erde Einhalt zu gebieten. Satan läßt sich auf den Deal ein und läßt eine dämonische Schönheit die Syphilis unter die Menschen bringen. Freudig wird sie in den Betten von Papst Alexander VI. und seinem Gefolge aufgenommen.

Für den Text kam Panizza ein Jahr...



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