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26.06.2014 / Feuilleton / Seite 12

Bruder Taschendieb, Schwester Hure

In seinem Roman »Mich hungert« sucht Georg Fink die Nähe der Unterschicht

Martin Willems
Als Max Tau sich Ende der 1920er Jahre im Verlag von Bruno Cassirer für den unbekannten Georg Fink – das mittlerweile entschlüsselte Pseudonym Kurt Münzers (1879–1944) – und sein Manuskript »Mich hungert« einsetzt, reagiert dieser zurückhaltend: »Wen sollte die traurige Wirklichkeit eines proletarischen Milieus interessieren?« Schließlich stimmt der Verleger doch zu: Das Buch avanciert zum Bestseller und wird in dreizehn Sprachen übersetzt.

Beinahe autistisch beobachtet sein Protagonist Theodor König die wimmelnden Menschen auf der Invalidenstraße, welchen es immer seltener gelingt, ihr Elend zu verbergen. Sie sind ein Abbild seines eigenen Lebens, das aufgrund brutaler Saufexzesse des Vaters, der ihn, den Vierjährigen, zum Betteln anstiftet, zunehmend aus der Balance gerät. Während das hochbegabte Kind den hoffnungslos erscheinenden Umständen entgegentritt, verzweifelt die Mutter am Niedergang der Familie und hängt irren Gedanken nach:...

Artikel-Länge: 4230 Zeichen

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