28.03.2014 / Titel / Seite 1

Polizei vertreibt Mieter

In Berlin setzten Beamte erneut Vermieterinteressen durch. Familie vor die Tür gesetzt – vier Tage, bevor sie ihre Wohnung verlassen wollte. Zwangsräumungen immer häufiger

Claudia Wrobel
Köln, Hamburg, Berlin – immer weniger Mieter sind bereit, einen Rausschmiß durch den Vermieter hinzunehmen. Eine wachsende Protestbewegung begehrt gegen die Verdrängung ganzer Bevölkerungsschichten aus den Innenstädten auf. So auch am Donnerstag in Berlin-Kreuzberg: Vor dem Haus in der Reichenberger Straße 73 blockierten rund 100 Menschen seit dem frühen Morgen die Eingangstür. Ein Sprecher informierte Passanten per Megaphon darüber, daß hier die Familie A. aus ihrer Wohnung geworfen werden sollte. Die meisten wußten ohnehin Bescheid: Aus Fenstern in der Nachbarschaft hingen Transparente, die Solidarität ausdrückten. Nachbarn auf dem Weg zur Arbeit blieben stehen und verwickelten die anwesenden Polizisten in Gespräche über die Verhältnismäßigkeit eines solchen Einsatzes.

Statistiken, wie viele Zwangsräumungen stattfinden, existieren nicht, obwohl sie seit Jahren unter anderem von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe gefordert werden. De...

Artikel-Länge: 3879 Zeichen

Zum Aufrufen dieser Seite ist ein Onlineabo erforderlich

Jetzt die junge Welt abonnieren und Zugriff auf alle Artikel erhalten!

Bitte einloggen

Hilfe und Informationen

Abo abschließen

Welche Vorteile bietet ein Onlineabo?

  • Zugriff auf das Archiv seit 1997, alle Artikel und Recherchewerkzeuge.
  • E-Mail-Abo im Text-, HTML- oder E-Pub-Format.
  • Zugriff auf Seiten im PDF-Format.
  • Verwalten eigener Lesezeichen.

Zur aktuellen Ausgabe