29.01.2014 / Schwerpunkt / Seite 3

»Wer aufbegehrt, braucht viel mehr Kraft zum Kompromiß«

Gespräch mit Pete Seeger. Über Schwarze Listen für Künstler in den USA der 50er Jahre, das Aufrappeln der US-Linken gegen die »Tea Party« und Obamas Politik

Diether Dehm
Pete Seeger (geb. am 3. Mai 1919) war der bekannteste Folk-Musiker der USA. 1955 verweigerte er vor dem »Komitee für unamerikanische Betätigung« die Aussage und wurde 17 Jahre lang von den kommerziellen US-Medien boykottiert. Zu seinen berühmtesten Liedern gehören »Where Have All The Flowers Gone« (1955), deutsch: »Sag mir, wo die Blumen sind«, »Turn! Turn! Turn! (To Everything There Is a Season)« von 1950.

Wie hast du es geschafft unter diesem enormen antikommunistischen Druck Anfang der 50er Jahre als Künstler zu überleben?

Prinzipiell und über die lange Sicht von Jahren, das wiederhole ich dir noch mal, weil es vielleicht nicht so leicht nachzuvollziehen ist: Je mehr sie auf mich draufgehauen haben, je mehr Publikum ist gekommen. Und ich hatte Glück und war auch weniger anfechtbar, weil ich nie dem großen Geld hinterhergelaufen bin. Mein Vater war Musikprofessor; ich komme aus einer künstlerischen Familie, so daß mein Hauptfokus stets auf Konzerten in ...

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