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19.12.2013 / Feuilleton / Seite 12

First Class höflich

Wiglaf Droste
Wer in Deutschland versucht, aus einem Zug auszusteigen, hat nicht mit den Landsleuten gerechnet, die in den Waggon hineindrängen. Daß ihr Vorhaben erst von Erfolg gekrönt sein könnte, wenn sie so lange warteten, bis alle Aussteigenden den Zug verlassen haben, ist ihnen egal; gerade die Erste-Klasse-Sorte Mensch zeichnet sich durch eine ellenbogenartige, tunnelblickdichte Indolenz aus, die zu Reflexionen über die Wiedereinführung des öffentlichen Prangers inspiriert.

Eine Frau steigt aus dem Zug aus? Das ist dem jungen Geschäftsfitti mit seinem die Eigenidiotie gültig anzeigenden Rollkoffer doch egal, er stürmt in den Zug und rennt die Frau über den Haufen, er hat schließlich Wichtiges zu tun, beispielsweise einen Vierertisch für sich alleine in Beschlag nehmen, indem er Mantel und Gepäck so territoriumsabgrapschend abwirft und verteilt, daß niemand es wagen soll, nach einem freien Platz zu fragen.

Ist der Zug gestopft voll, erhebt d...



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