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17.09.2013 / Feuilleton / Seite 12

Das Beschuldigungsgepolter

Zwischen Subproletariat, Kleinbürgerei und Anti-Autoritarismus: »Der Käfer« nach Franz Kafka im Heimathafen Berlin-Neukölln

Anja Röhl
Kafkas geniale Erzählung »Die Verwandlung« als ein Stück aufzuführen, das in der Familienküche spielt und aus der Sicht der anderen erzählt wird, ist eine gute Idee. Andreas Merz macht daraus im Heimathafen in Berlin-Neukölln »Der Käfer. Ein Stück über Burnout, Bore­out und anderes Ungeziefer«.

Nach fünf Jahren anstrengenden Vertreterdaseins wacht der Tuchhändler Gregor Samsa bekanntlich eines Morgens als riesiges Insekt auf und wird dann von seiner Familie, die er bislang ernährt hat, so fertiggemacht, daß er entkräftet stirbt. Bei Merz wird daraus eine nachvollziehbare Verrücktheit, mit Depression, Halluzinationen und Verwahrlosung. Am Ende steht eine Art Messidasein als subtile Verweigerung gegenüber Autoritätszwängen.

Die Aufführung von »Der Käfer« ist der beste Beweis dafür, daß Kafkas Texte über die Jahrhunderte ihre Wirksamkeit noch steigern können. Es geht um das mühevolle Aufrechterhalten des Scheins von Ordnung und Gewißheit in Zeiten der Verz...



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