26.08.2013 / Thema / Seite 10

Milliardengeschäft Wehrdienstfreikauf

Hintergrund. Die Türkei hat mit einem Gesetz über den »Freikauf vom Militärdienst« seit 1995 über eine Milliarde Euro verdient. Gegenwärtig entziehen sich schätzungsweise 600000 Fahnenflüchtige dem System

Gürsel Yildirim und Julian Irlenkäuser
Mit der Parole »Wir sind niemands Soldaten« wandten sich Antimilitaristen während der Massenproteste auf dem Istanbuler Taksim-Platz gegen den – auch von Teilen der Opposition hochgehaltenen – Kult des Soldatentums in der Türkei. Mit den Protesten, die vom Gezi-Park auf das ganze Land ausstrahlten, verschaffte sich erstmals eine große Gruppe von Menschen Gehör, die sich bislang eher im Hintergrund gehalten hatten und als unpolitisch galten. Viele von ihnen hatten zuvor eher im Privaten protestiert, beispielsweise indem sie sich dem Ableisten des Militärdienstes entzogen haben. Darum kann die Zahl derer, die sich bisher in der Türkei dem Wehrdienst verweigerten, nur geschätzt werden – und zwar auf 600000.

Ein anderes Protestpotential liegt allerdings noch brach. Seit Jahrzehnten verdient die Türkei an im Ausland lebenden männlichen Staatsbürgern jährlich Millionen von Euro, indem sie diese vor die Wahl stellt: entweder neuerdings 6000 Eu...

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