18.05.2013 / Thema / Seite 10

Einsamer nie

Geschichte. Ein Dichter redet sich um Kopf und Kragen: Gottfried Benns berüchtigter Rundfunkvortrag »Antwort an die literarischen Emigranten« vom 19. Mai 1933

Kurt Darsow
Der 30. Januar 1933 war für Gottfried Benn kein Tag des Triumphs. Nicht daß er vor der »historischen Verwandlung« im Augenblick ihres Eintretens etwa zurückgeschreckt wäre. Aber als die braunen Bataillone durch das Brandenburger Tor zogen, waltete der Dichter gerade seines Amtes. Er las an diesem Abend auf Einladung der »Vereinigung für junge Kunst« in Oldenburg aus seinen Werken. Natürlich war die Veranstaltung im Humanistischen Gymnasium der Stadt denkbar schlecht besucht. Die Menschen saßen lieber zu Hause vor dem Radiogerät, um sich an der ekstatischen Reporterstimme aus der Reichshauptstadt zu berauschen. Immerhin nahmen wenigstens die Oldenburger Nachrichten für Stadt und Land die Lesung vor leeren Stuhlreihen zur Kenntnis: »Ein aufgeklärter, geläuterter Humanismus«, war dort am Tag darauf zu lesen, »bestimmte Gestalt und Inhalt dieser von hellenistischem Geist erfüllten, klaren, aber auch etwas kühlen Lyrik.«

Die Geschichte hatte es ihrem Verächte...

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