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01.09.2012 / Wochenendbeilage / Seite 6 (Beilage)

Nennen Sie mich Ausländer

Milena Oda
Nennen Sie mich Ausländer! Der Ausländer verbeugt sich, wenn er diese Bitte äußert. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute bitte ich alle darum: Nennen Sie mich Ausländer, ich bin und bleibe Ausländer. Ich will, daß Sie mich Ausländer nennen und auch so wahrnehmen, standesgemäß, nicht anders. Ich verbeuge mich ganz tief, wenn es um eine Bitte geht. Die Nicht-Ausländer (die Einheimischen) lieben es, wenn sich die Ausländer vor ihnen verbeugen. Das Ausländerdasein zeichnet sich durch Unterwerfung und Unfreiheit aus, durch Selbstverweigerung, Selbstbeschränkung und Selbstlosigkeit. Der Ausländer muß gehorchen, er muß sich seines freien Selbst entledigen. Dann sagen die Herrschaften zu ihm »bewundernswert« oder »lobenswert«: »Du bist ein richtiger Ausländer!«

Zum Glück muß ich die nicht-ausländische Menschheit nicht so dringend darum bitten, sie nennt mich gern Ausländer. Und ich erweise mich als stolzer Ausländer!

Ich erbitte mir immer eine große Atempause, w...



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