12.07.2012 / Schwerpunkt / Seite 3

Selbstidiotisierung

Zwischen »blindem« und »tiefem« Staat bewegen sich bisher die medialen Erklärungsmuster zum Neonaziterror. Jetzt wird das Ruder herumgerissen

Wolf Wetzel
Vor neun Monaten erfuhren wir, daß die zwei toten Männer im Campingwagen von Eisenach nicht nur routinierte Bankräuber, sondern vor allem Mitglieder einer neonazistischen Terrorgruppe namens »Nationalsozialistischer Untergrund« (NSU) waren, von deren Existenz keine staatliche Stelle etwas gewußt haben will. Herrschte über ein Jahrzehnt Ahnungslosigkeit, so wurden wir in der Folgezeit mit einer Flut von Medienberichten konfrontiert. Nun scheint sich der Wind in vielerlei Hinsicht zu drehen: Zum einen gibt es jetzt doch Verantwortliche. Aktuell mußten der Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz und die Leiter des Thüringer sowie des sächsischen Landesamtes ihre Sessel aufgeben. Ein Dominoeffekt wird befürchtet, ein Systemabsturz. Denn die These, es handele sich bei alledem um Versäumnisse, Pannen und persönliche Unzulänglichkeiten, läßt sich kaum noch halten. Die Gefahr, daß man aus diesem organisierten Versagen eben nicht die Stärkung jener Geheimdienst...

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