02.07.2012 / Feuilleton / Seite 13

Die Rache der Wassergeister

»Letzte Ölung Nigerdelta« – das Münchner Völkerkundemuseum erzählt vom Drama der Erdölförderung

Sabine Matthes
Als die Royal Dutch Shell 1956 das Öl in Oloibiri im Nigerdelta entdeckte, wurden in den Mangrovenwäldern die Lagunen, Flüsse und Seen von Wassergeistern beschützt. Dieser Glaube der Menschen prägte ihren ehrfürchtigen Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen. Verletzten Fischer die Ansprüche bestimmter Fischarten, konnten rachsüchtige Geister »unbefugtes Eindringen und menschliche Unachtsamkeit rigoros ahnden und mit Krankheit oder Tod« bestrafen. So beschreibt es Stefan Eisenhofer, Mitkurator der Ausstellung und Leiter der Afrikaabteilung des Münchner Völkerkundemuseums, im Katalogtext.

Die spirituellen Besitzer der Gewässer wurden häufig von bestimmten Sägefischarten verkörpert, die durch Masken und Feste verehrt wurden. Auf einem Behälter stellen die geschnitzten Figuren Anjenu-Flußgeister dar, die bei Regelverstößen Krankheiten verursachen. Solch traditionelle Objekte und Masken wirken in der Ausstellung, zwischen der fotografischen Science-Fiction...

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