19.04.2012 / Schwerpunkt / Seite 3

Hölle auf Erden

Leben im Todestrakt: Harold Wilson war 16 Jahre in US-Haft, bevor in einem neuen Verfahren seine Unschuld bewiesen wurde

Linn Washington Jr.
Für Harold Wilson ist ein Leben in der Hölle keine abstrakte Vorstellung. Er verbrachte 16 Jahre in einer Hölle auf Erden, genannt Todestrakt. Nach seiner Verurteilung zu einer dreifachen Todesstrafe für einen dreifachen Mord in Philadelphia im US-Staat Pennsylvania 1988 – einen Mord, den er nicht begangen hatte, wie eine DNA-Analyse später bewies – erlitt er die qualvolle Isolation der Todeszelle und Folter. In den über 834 Wochen verbrachte er 23 Stunden am Tag in einer zwei mal zweieinhalb Meter kleinen Zelle, die eher einem Sarg glich für einen Mann, der fast 194 Zentimeter groß ist und 113 Kilogramm wiegt. Doch anders als ein Sarg war diese Zelle Tag und Nacht beleuchtet.

Man kann sich nur schwer die Qualen eines Lebens im Todestrakt vorstellen. »Beim Duschen drehten die Wächter oft das kalte Wasser ab, so daß das heiße Wasser uns verbrannte«, erzählt Wilson, »oder sie gaben uns kein Essen und hatten auch noch ihren Spaß dabei«. »Stell d...

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