21.02.2012 / Inland / Seite 8

»Politisches Gedächtnis ist sehr kurzlebig«

Antikommunismus gemeinsamer Nenner: Vier Bundestagsparteien votierten für Präsidentschaftskandidaten der Eliten. Ein Gespräch mit Daniela Dahn

Gitta Düperthal
Daniela Dahn ist Autorin beim Rowohlt Verlag, Journalistin und ehemals Mitherausgeberin der Wochenzeitschrift Freitag

CDU, FDP, SPD und Grüne setzen einhellig auf den fundamentalen Antisozialisten Joachim Gauck als Bundespräsidenten. Wie beurteilen Sie diese Kandidatenkür – hat eine Gleichschaltung aller vier etablierten Bundestagsparteien zur kapitalistischen Einheitspartei stattgefunden?

Diese gemeinsame Begeisterung ist in der Tat atemberaubend. Am wenigsten überrascht war ich bei der FDP, da fragte man sich eher, weshalb diese Partei nicht schon bei der letzten Abstimmung bemerkt hat, daß Freiheit für Joachim Gauck meist die Freiheit der Eliten ist, besonders der Wirtschaft. Für Hartz-IV-Empfänger findet er nicht so warme Worte. Die Freiheit des Leiharbeiters ist nicht sein Thema. Überraschter war ich eher von Angela Merkels Kehrtwende. Denn sie hat doch offensichtlich erhebliche inhaltliche Differenzen mit Gauck, wie sie ja in einem Nebensatz a...

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