26.01.2012 / Feuilleton / Seite 13

Biß ins Butterbrot

Oder die Banalität des Bösen: Markus Schleinzers Mißhandlungsdrama »Michael«

André Weikard
Ein Film über zwei Menschen, die sich eine Wohnung teilen, zusammen zu Abend essen, gemeinsam abspülen, Weihnachten feiern; die einen Ausflug in den Zoo machen, Händchen halten und puzzeln. Klingt langweilig? Das Kritikerpublikum bei den Filmfestspielen in Cannes war ganz aus dem Häuschen. Applaus gab es und auch Buhrufe. In Saarbrücken bekam der Regisseur Markus Schleinzer den Max-Ophüls-Preis dafür. Für einen »klugen Film« und eine »vorsichtige Annäherung an die Abscheulichkeit«, so die Jury.

Die Abscheulichkeit liegt im Thema. Dieses Drama namens »Michael« ist das Porträt eines Pädophilen. Die Hauptfigur (Michael Fuith) ist ein gefühlloser, verkrampft-steifer Mann, der einen zehnjährigen Jungen (David Rauchenberger) entführt, gefangen hält und vergewaltigt. Schleinzer, der sonst Schauspieler castet, zog für seinen ersten Film eine forensische Psychologin hinzu. Das wäre kaum nötig gewesen. Die meisten Szenen seines Films sind nicht nur plausibel, sie ...

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