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05.12.2011 / Feuilleton / Seite 13

Vom Türsteher betrogen

Herumtrampeln auf Paragraphenblättern: Theater nach Kafka in einem Berliner Gefängnis

Anja Röhl
Die Bühne, an deren Rändern die Zuschauer sitzen, ist voll mit Papier. Bei näherem Hinsehen handelt es sich um Teile von Prozeßakten, abgefaßt in einem Justizchinesisch, das man nur mit Hilfe von Rechtsanwälten versteht. Als wäre das Gebäude gerade erstürmt worden, liegen die Blätter herausgerissen auf dem Boden, sie bedecken ihn ganz. Auch an der Rückwand kleben welche. Aus ihr lösen sich Schauspieler wie nächtliche Traumgestalten, trampeln in Schlafanzügen und Pantinen auf den Blättern herum, mißachten damit die Autorität einer Gerichtssprache, die das normale Volk heute so einschüchtert wie zu Kafkas Zeiten. Wir befinden uns in einem modernen Knast in Berlin-Tegel. Alle Schauspieler sitzen hier ein.

Zunächst wird über den Josef K. aus »Der Prozeß« geredet. Nachbarn, Freunde, Verwandte kommen zu Wort, wundern sich über seine Verhaftung oder wundern sich nicht. Jeder Satz ist ein Vorwurf. Noch die eigene Besorgtheit wird dem Verhafteten wütend vorgehalt...

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