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21.10.2010 / Feuilleton / Seite 12

Prüder Exzeß

Sexualitätsmanager: »Don Giovanni« an der Deutschen Oper Berlin

Peer Schmitt
Die Liste ist sehr, sehr lang. Mozarts »Don Giovanni« hat aus vielen mit das Beste herausgeholt: Goethe, Grabbe, Byron, E.T.A. Hoffmann, Baudelaire, Kierkegaard. Bilder von Delacroix oder Joseph Loseys quasi-feministische und kalt wie gelungene Rache servierte Filmadaption der Oper von 1979. Oder Adornos wirklich schönes kurzes Essay »Huldigung an Zerlina«, mit seiner Hoffnung auf eine ausnahmsweise unbekümmerte erotische Kultur, die ganz auf den Charme des von Don Giovanni nur halbwegs verführbaren Bauernmädchens setzt: »Im Bild Zerlinas hält der Rhythmus von Rokoko und Revolution inne. Sie gehört dem geschichtlichen Augenblick dazwischen, und an ihr geht flüchtig eine Humanität auf, die unverstümmelt wäre vom feudalen Zwang und geschützt vor bürgerlicher Barbarei.«

Nicht zu vergessen Ernst Bloch, der im »Prinzip Hoffnung« nochmal die grundsätzliche, unauflösbare Ambivalenz der Don-Giovanni-Figur – Zwang oder Utopie – zusammenfaßte: »Das Ver...

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