20.08.2010 / Feuilleton / Seite 13

Motten in Hypnose

Willkommen in der Wunderkammer: »Zelluloid. Film ohne Kamera« in der Frankfurter Schirn Kunsthalle

Sabine Matthes
Mit der grandiosen Überblicksausstellung »Zelluloid. Film ohne Kamera« bietet die Schirn Kunsthalle Frankfurt noch bis zum 29. August 2010 ein ebenso seltenes wie rauschartiges Vergnügen. Ein halluzinatorischer Trip, mit der Lichtgeschwindigkeit des Traums durch einen Parcours filmischer Kunst- und Wunderkammern, zum pulsierenden Beat explodierender Formen, Farben und Klänge. 28 Filme, mit einer Länge von 30 Sekunden bis 12 Minuten, das sind etwa 160000 Einzelbilder, von den Anfängen des »direct film« oder kameralosen Films in den 1930er Jahren bis heute, geben Einblick in die Alchimistenküche von 21 internationalen Künstlern und Filmemachern.

Anstatt die Außenwelt mit der Kamera einzufangen, wird bei dieser Form des Experimentalfilms der Filmstreifen selbst, das Zelluloid, zur Leinwand. Er wird handwerklich bearbeitet mit Tusche, Farbe, Stempeln und Schablonen, mit Kratzen, Ritzen, Kochen, Nähen oder Verbrennen, durch physikalische, chemische, bakteriol...

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