13.08.2010 / Feuilleton / Seite 13

Über die Höfe ziehen

Ein Nachruf auf den Maler, Filmschauspieler und Hinterhofmusikanten Bruno S

Matthias Reichelt
Von sich sprach er immer in der dritten Person. Aus seinem Mund hätte die Nachricht wohl ungefähr so gelautet: »Der Bruno, der ist jetzt tot.«

Alle Wege, die zu Bruno Schleinstein führten, der sich Bruno S. nannte, endeten bei einem kleinen Mann und seiner traurigen Kindheit, die sich als unauflösbares Trauma in ihn eingegraben hatte. Er war bekannt als Maler, als Hinterhofmusikant und als Darsteller in mehreren Filmen. Ein Schauspieler im klassischen Sinne war Bruno S. freilich nicht. Er gab im wesentlichen immer nur eine Rolle, die er pausenlos verkörperte, ob im Film oder im wirklichen Leben. Bruno spielte Bruno, ein abgespaltenes Wesen, das ungeliebte Kind, das von der Mutter in der Nazizeit früh in ein Heim gegeben wurde und bis 1957 viele Erziehungsanstalten und Psychiatrien durchlief. Ohne Liebe, verachtet und einsam. Was nach den Heimen kam, war nicht viel besser. Er arbeitete als Gabelstaplerfahrer bei Borsig, rauchte Kette, ertränkte seine Eins...

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