09.06.2010 / Feuilleton / Seite 13

Vor dem Verstärkerschrank

In Braunschweig wurde »Heavy Metal als Kultur und Welt« verhandelt

Frank Schäfer
Selbst als einer dieser Haarmenschen mit Kutte über dem blutrünstigen T-Shirt, die irgendwann in ihrer Sozialisation das Flüstern verlernt haben, ein wütendes »Was heißt’n das?« und »Sprich doch mal Deutsch!« in die Aula rief, konnte das die harmonische, beinahe familiäre Stimmung nicht verderben. Der Referent übersetzte dem Mann das Fremdwort, das Auditorium raunte sich eins zwischen Empathie und freundlichem Spott, und dann ging es auch schon wieder weiter auf dieser von steilen, theoriegestählten Thesen und lauter, martialischer, schweißsprühender Empirie satten Braunschweiger Tagung, die den schönen doppeldeutigen Titel trug »Metal Matters«.

Die beiden Medienwissenschaftler Rolf F. Nohr und Herbert Schwaab werden sicher irgendwann seliggesprochen von der Gemeinde oder doch zumindest in die Metal-Annalen eingehen als diejenigen, die es wagten, das Schmuddelgenre als Thema der Kultur- und Medienwissenschaften zwar nicht zu entdecken, aber doch mi...

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