22.05.2010 / Thema / Seite 10

Die Mossad-Mär

Geschichte. Am 22. Mai 1960 wurde der Kriegsverbrecher und Nazi Adolf Eichmann in Israel gefangengenommen. Seine Verhaftung hatte wohl weniger mit seiner Nazivergangenheit zu tun als mit seinem Wissen über eine Atomconnection zwischen BRD, Israel und Arge

Gaby Weber
So steht es in den Geschichtsbüchern: Der Mossad hat in einer heldenhaften Aktion Adolf Eichmann wegen seiner Verbrechen am jüdischen Volk aus Buenos Aires entführt. Ein Satz, fünf Lügen. Erstens war es nicht der Mossad, der im Mai 1960 in Argentinien am Werk war, sondern ein kleiner Geheimdienst Israels, der dort Atomtechnologie »beschaffte«. Zweitens war es keine heldenhafte, vielmehr eine dilettantische Aktion. Drittens war der Grund für Eichmanns Abtransport nicht seine Beteiligung am Holocaust, sondern weil er zuviel redete. Viertens wurde er nicht entführt und fünftens nicht aus Buenos Aires.

Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen: Auf welchem Weg Eichmann nach Israel gelangte, sei unwichtig; selbst wenn die Version des Mossad nicht stimme, entscheidend sei, daß er vor einem Gericht gelandet war. Das war sicher wichtig, wenngleich ein internationales Tribunal, wie es seinerzeit die Prozeßbeobachterin in Jerusalem, Hannah Arendt, geforde...

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