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22.05.2010 / Geschichte / Seite 15

Heucheln und Lügen

Am 21. Mai 1935 hielt Adolf Hitler in der Berliner Kroll-Oper seine »Friedensrede«

Kurt Pätzold
Wenn von den Bindungskräften geschrieben wird, die Millionen Deutsche, die Mehrheit der Bewohner des Landes, für Hitler und das von ihm repräsentierte System einnahmen und ihm eine hohe Stabilität verliehen, dann wird – und das zu Recht –auf die Beseitigung der Arbeitslosigkeit, die geweckten Hoffnungen auf ein auskömmliches Leben in einer »Volksgemeinschaft« und andere Erwartungen verwiesen. Diese Hoffnungen, zeitweilig genährt, stellten sich spätestens im Kriege als illusionär heraus. Einem Faktor, wenn er in dieser Aufzählung nicht ganz fehlt, wird dagegen zumeist weniger Aufmerksamkeit geschenkt: der bis in den Sommer 1939 permanenten Versicherung aus Hitlers Mund, daß er und seine Regierung nichts weniger im Sinn hätten, als einen neuen Krieg. Aus dem Rückblick erscheinen die Friedensbeteuerungen des »Führers« nicht nur vollständig verlogen, sondern auch gänzlich unglaubhaft. Kann ihnen wirklich eine die Massen mit dem Regime aussöhnende,...

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