Hände weg von Venezuela! Solidaritätsveranstaltung am 28. Mai
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14.04.2010 / Feuilleton / Seite 13

Wenn wir alle Engel wären

Der vergebliche Kampf der Asketen. Anmerkungen zur sogenannten Mißbrauchsdebatte

Helmut Dahmer
Christliche Theologen wähnten, der Mensch sei zur einen Hälfte den Engeln gleich, seine andere Hälfte aber sei des Teufels. Im 18. Jahrhundert schrieben die Philosophen, der Mensch sei »der erste Freigelassene der Natur« (Herder), und im 19. hieß es: Er sei »das nicht festgestellte Tier« (Nietzsche). »Frei« oder »nicht festgestellt« sein heißt, über ein reiches Potential von (erotischen und destruktiven) Antriebs­energien zu verfügen, die nicht von vornherein an bestimmte Befriedigungshandlungen gebunden und auf bestimmte Objekte fixiert sind. Daß die menschlichen Triebe »luxurieren«, besagt, Menschen sind »unermüdliche Lustsucher« (Freud) und darum »zu allem fähig«. Triebe bedürfen der Bewußtmachung und der Sinndeutung, die gedeuteten Triebe aber sind unsere Wünsche. Eine jede der Kulturen, von denen wir Kenntnis haben, hat die überbordenden Wünsche der ihr zugehörigen Menschen auf eigene Weise kanalisiert und formiert; was der einen als »Brauch« (oder S...

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