14.01.2010 / Kapital & Arbeit / Seite 9

Baufälliges Armenhaus

Schwindende Rohstoffe, Schulden, Korruption und Wassermangel: Im Jemen bereichert sich eine kleine Oberschicht nach Kräften. Das Land indes steht vor dem Zerfall

Raoul Rigault
Jahrelang lag der Jemen politisch in einem toten Winkel der Welt. Im Rahmen des von den USA ausgerufenen »Krieges gegen den Terror« ist das Land unversehens ins Rampenlicht geraten. Wichtige Stützpunkte der Al-Qaida wollen Washington und seine Verbündeten im Südwesten der arabischen Halbinsel ausgemacht haben und sie bringen ihre Militärmaschine in Stellung, um das Problem zu »lösen«.

Daß die Islamische Präsidialrepublik Jemen ein »politisches Sorgenkind« geworden ist, hat in erster Linie soziale Ursachen. Laut UNO zählt das Land mit einem kaufkraftbereinigten Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2300 US-Dollar (1600 Euro) pro Kopf zu den dreißig ärmsten Staaten der Welt. Knapp die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze, das heißt, von weniger als umgerechnet zwei Dollar am Tag. Die Kindersterblichkeit ist mit zehn Prozent extrem hoch, und die allgemeine Lebenserwartung beträgt 60 Jahre. Kein Wunder: Letzten Zahlen der Weltgesundheitsorganisati...

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