08.12.2009 / Ausland / Seite 8

»Es geht mehr um Kontrolle und Macht«

Israel benutzt Geschichtsschreibung und Archäologie, um jeden muslimischen Anspruch auf Jerusalem zu negieren. Gespräch mit Nazmi Ju’beh

Karin Leukefeld
Nazmi Ju’beh wurde 1955 in Jerusalem geboren, promovierte 1990 in Tübingen in Geschichte und Archäologie und lehrt an den Universitäten Al Quds und Birzeit. 1991 gehörte er zu den Gründern des Zentrums für Denkmalpflege in Ramallah.

Jerusalem, das auf arabisch Al Quds heißt, ist die Kulturhauptstadt der arabischen Welt 2009. Merkt man davon etwas in Ihrer Heimatstadt?

Leider merkt man davon mehr in Ramallah, Bethlehem, Hebron, Nablus oder Damaskus, in Amman und in Tunesien. Die Israelis haben Aktivitäten unter diesem Motto nicht erlaubt. Konzerte, Ausstellungen von Künstlern – alles wurde verboten. Jede öffentliche Versammlung, die etwas mit Al Quds als Kulturhauptstadt der arabischen Welt zu tun hatte, wurde untersagt. Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung der Altstadt sind aber Araber. Auch nach mehr als 42 Jahren israelischer Besatzung bestimmen Kirchen ebenso wie Moscheen das Bild der Altstadt.

Auf alten Karten wird sie ähnlich dargestellt w...


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