24.12.2008 / Schwerpunkt / Seite 3

Wie ein Trauerzug

Statt einer Weihnachtsgeschichte: Ein Tag im Jobcenter Marzahn-Hellersdorf

Ulrich Guhl
Unlängst mußte ich zu meinem Bedauern in das für mich zuständige Jobcenter im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Ich hatte mir schon vor langer Zeit geschworen, diesen Ort nie wieder freiwillig zu betreten. Meine Erlebnisse dort bestätigten diese Vorbehalte. Beim Eintreffen in dem großen Gebäude in der Allee der Kosmonauten wurde ich von der üblichen langen Warteschlange begrüßt, die sich in mehreren Kurven im Empfangsbereich herumschlängelte. Müde und gereizte Gesichter, Mütter, die nur mit Mühe ihre Kinder im Zaum halten konnten, und Menschen, die sich ihre entmutigenden Erfahrungen mit seelenlosen Behörden erzählten, erwarteten mich. Ich reihte mich ein und steckte meine Nase in ein mitgebrachtes Buch. Zugleich beobachtete ich die Frauen, Männer und Kinder um mich herum. Alles wirkte deprimierend. Wie ein Trauerzug bewegten wir uns Zentimeter um Zentimeter vorwärts und beneideten jeden Glücklichen, der von den einweisenden Wachschutzleuten zu den Abf...

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