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28.07.1999 / Feuilleton / Seite 0

Kunst entschleunigt

Rede zur Eröffnung der Mucchi-Ausstellung im Brecht-Haus Berlin-Weißensee am 24. Juli 1999

Joachim John

Noch nie in der Geschichte wurden Bilder aller Art wie wahnsinnig um den Erdball gejagt. Sie rasen in den Himmel und spiegeln sich fast zur gleichen Zeit in den Augen entferntester Bewohner. Es wird täglich geblitzt, photographiert und videogefilmt »auf Teufel bleib drin«. Das Bildermachen hat sich bereits soweit perfektioniert, daß selbsterfundene Sujets überzeugend vorgeführt werden können. Es ist möglich, Kriege zu zeigen, die es nicht gibt oder für Massaker nach Belieben andere Täter bildlich vorzustellen. Die angebliche Objektivität durch das Bild einer Sache wuchert so unförmig, daß man ihr nicht mehr glauben kann.

Zuviel Information macht unfähig zu reagieren. Der Zweck von überblendender Erhellung ist Verblendung, Blendung, Erblindung. Übermäßige Erhellung endet in wohlgezielter Dunkelheit - und macht ganz dumm. Andersherum: Wird die Dummheit riesenhaft, so wird sie unsichtbar, - das wußte Brecht. Die Geschwindigkeit der einander jagenden Bilde...

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