03.05.2008 / Thema / Seite 10

Kapitulation vor der Realität

Nach der tiefen Niederlage und allzu hoher Hoffnungen und Phantasien flüchteten Frankreichs Intellektuelle nach dem Pariser Mai 1968 in die postmoderne Textwirklichkeit

Jürgen Enkemann
Nicht nur der von Utopien geleitete Aufbruch von 1968 und der unbestreitbare emanzipatorische Schub, sondern auch traumatische Erfahrungen der Niederlage der Bewegung haben ihre Langzeitfolgen gehabt. Besonders trifft dies für die Entwicklung der Revolte in Frankreich zu, die sich für einen kurzen Moment auch auf die Arbeiterbewegung ausdehnte und in Form einer Regierungskrise die ganze Nation berührte. Die Plötzlichkeit und Extremität des Auf und Ab, die den Pariser Mai kennzeichneten, hatten Konsequenzen für eine später auch international einflußreiche aufklärungskritische und utopiefeindliche Kulturtheorie. Die Rede ist hier vom Poststrukturalismus und der wesentlich aus ihm hervorgegangenen postmodernen Theorie, deren prominenteste Repräsentanten in der kurzen Phase der Pariser Mai-Revolte engagiert auf der Seite der Rebellen gestanden hatten.

Wenn diese Strömung hier als Theorieentwicklung im Gefolge bzw. im »Kielwasser« einer »gescheiterten Revolutio...

Artikel-Länge: 20192 Zeichen

Sie benötigen ein Online-Abo • jetzt bestellen

Bitte einloggen

Abo abschließen

  • Gedruckt

    Printabo

    Sechs mal die Woche: Hintergrund und Analysen, Kultur, Wissenschaft und Politik. Und Samstag acht Seiten extra.

    37,90 Euro/Monat Soli: 47,90 €, ermäßigt: 27,90 €
  • Online

    Onlineabo

    24/7: Sofortiger Zugang zu allen Artikeln und Beilagen. Downloads, Mailausgabe, Features, das ganze Archiv.

    16,90 Euro/Monat Soli: 21,90 €, ermäßigt: 10,90 €
  • Verschenken

    Geschenkabo

    Anderen eine Freude machen: Verschenken Sie jetzt ein Abonnement der Printausgabe.

    37,90 Euro/Monat Soli: 47,90 €, ermäßigt: 27,90 €

Kurzzeitabo abschließen

Zur aktuellen Ausgabe