05.04.2008 / Geschichte / Seite 15

Ein Überraschungscoup

Der Volksentscheid vom 6. April 1968 über eine neue Verfassung der DDR

Siegfried Prokop
Auf sowjetisches Drängen hin hatte die DDR in der zweiten Hälfte der 60er Jahre von ihrer langjährigen Wiedervereinigungspolitik Abstand genommen. Im Februar 1967 wurde das »Staatssekretariat für gesamtdeutsche Fragen« in »Staatssekretariat für westdeutsche Fragen« umbenannt. Für veränderungsbedürftig wurde auch die Verfassung von 1949 gehalten, in deren Artikel 1 Deutschland »als unteilbare Republik« charakterisiert worden war.

Am 1. Dezember 1967 beschloß die Volkskammer die Bildung einer Kommission zur »Ausarbeitung einer sozialistischen Verfassung der DDR«. Der Kommission gehörten Vertreter der fünf Parteien der DDR (SED, CDU, DBD, LDPD, NDPD) und der Massenorganisationen sowie Angehörige verschiedener Klassen und sozialer Schichten an.





Der Verfassungsentwurf


Am 31. Januar 1968 legte die Kommission unter dem Vorsitz von Walter Ulbricht der Volkskammer einen Entwurf vor. Dieser stieß auf sowjetischen Widerspruch, weil die DDR im Artikel 1 entgegen Mos...








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