08.03.2008 / Schwerpunkt / Seite 3

Tote Bewegung?

BRD aktuell: Frauen organisieren sich kaum. Zum 8. März erklären Politikerinnen aller Parteien, daß es an Geschlechtergerechtigkeit fehlt

Jana Frielinghaus und Bernd Barenberg
Heute gibt es keine Frauenbewegung«, stellte Frigga Haug am Mittwoch auf einer Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung nüchtern fest. Und lieferte gleich eine Erklärung dafür mit: Die Erfolge der zweiten Frauenbewegung seit 1968 seien heute weitgehend institutionalisiert und ins Selbstverständnis des Alltags eingegangen. Auch das sieht die Soziologin und Linksfeministin: Der individuelle Leidensdruck ist eben nicht mehr da. Waren Frauen und Mädchen in den 50er und 60er Jahren in der Bundesrepublik noch extrem entmündigt und auf die Rolle als Hausfrau und Mutter reduziert, so stehen ihnen heute prinzipiell alle Wege offen.

Obwohl die Schwierigkeiten, die sich dann doch einstellen, meist struktureller Natur sind, werden sie schnell der eigenen Unzulänglichkeit zugeschrieben – sei es in Sachen Erwerbsarbeit oder beim Versuch, eine solche mit der Erziehung von Kindern in Einklang zu bringen. Zu Haugs Einschätzung paßt die Tatsache, daß just am Vorabend des I...

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