26.03.2016 / Schwerpunkt / Seite 3

Das Große Tribunal

Mit der Verurteilung von Radovan Karadzic erfüllt der Gerichtshof zum ehemaligen Jugoslawien die ihm zugedachte Aufgabe

Gerd Schumann

Nach einem mehrjährigen Mammutprozess mit Hunderten Zeugen sprach am Donnerstag das »Große Tribunal« (Peter Handke) in Den Haag das erwartete Urteil. Radovan Karadzic, allgemein mit dem wohl diffamierend gemeinten Titel »Serbenführer« oder »ehemaliger Serbenführer« versehen, muss nunmehr wegen »Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit« für 40 Jahre ins Gefängnis.

Der 70jährige, aus Montenegro stammende Serbe, der Mitte 2008 auf Druck der USA in Belgrad verhaftet und umgehend an den Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) ausgeliefert worden war, gilt diesem als »politisch Hauptverantwortlicher« unter anderem für die Massenmorde im ostbosnischen Srebrenica während des Bosnien-Krieges im Juli 1995.

Die Anklage hatte 2014 eine lebenslange Haftstrafe gefordert. Sie behauptete, dass Karadzic »die treibende Kraft« hinter der »Politik der ethnischen Säuberung« gewesen sei – eine gewagte These angesichts des...

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