24.03.2016 / Feuilleton / Seite 11

Lasset uns den nicht zerteilen

Gehört zur Karwoche: Eine Neuaufnahme von Bachs »Johannes-Passion«

Stefan Siegert

Früher gab es Erdbeeren nur im Juni, Äpfel ab Herbst. Und auch wenn die Ohren mit Osterglocken nichts anzufangen wissen, Johann Sebastian Bachs Passionen gehören für manche zum Frühlingsfest wie Narzisse, Hühnerei und Hase. Genauer: Zur Karwoche. Denn es geht in ihnen nicht ums erfreulichere Wochenendgeschehen mit Grabesruhe am Samstag und Auferstehung »am dritten Tage«, dem Ostersonntag (gefolgt von Himmelfahrt und Ausgießung des Geists zu Pfingsten). Es geht um die finstere Vorgeschichte.

In jedem seiner Dienstjahre als Leipziger Thomaskantor hatte Bach am Karfreitag eine Musik zu liefern zum Leidensgeschehen vor nunmehr – tja, wie viele Jahre »n. Chr.« dieser Jesus von Nazareth gekreuzigt wurde, liegt im Nebel. Eine Neuaufnahme der »Johannes-Passion« unter der Leitung von René Jacobs erinnert jetzt daran, dass angesichts vierer verschiedener Fassungen, die alle auf Bach zurückgehen, von »der« Johannes-Passion kaum die Rede sein kann. Er hat sie vom Jahr...

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