24.03.2016 / Inland / Seite 5

Gebären im Zeitlimit

Kreißsaal, Kinderstation, Notdienste: Im Landkreis Börde wird unprofitable medizinische Grundversorgung eingestampft. Eine Folge der Privatisierung

Susan Bonath

Regina Blenkle ist wütend. »Muss erst ein Kind sterben, bevor jemand umdenkt?« fragt sie im Gespräch mit jW. Die 54jährige ist seit einem Dreivierteljahr Bürgermeisterin (parteilos) der Bördekreisstadt Haldensleben mit knapp 20.000 Einwohnern. Seit Tagen melden sich aufgebrachte Mütter bei ihr. Ab 1. April solle es an Wochenenden und Feiertagen keine kassenärztlichen Kindernotdienste mehr geben. Nicht in der Stadt, nicht in umliegenden Dörfern. Kranke Kinder müssten dann nach Magdeburg gebracht werden. Je nach Wohnort sind das Wege von 30, 50 oder mehr Kilometern. Öffentlichen Nahverkehr gibt es kaum. Blenkle erfuhr es auch nur als Gerücht. Und hakte nach. »Ärzte haben es mir bestätigt«, sagt sie. Und winkt ab: »Ich kann nur Druck machen, aber nichts ändern.« Die Gesundheitsversorgung obliege dem Landkreis. Und dies sei nur »das bisherige Ende der Abwärtsspirale nach der Privatisierung«, betont sie.

Vor zehn Jahren verkaufte der Landkreis die Haldensle...

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